Die Zwerge

Die Zwerge

Auszug aus dem „zweiten Kompendium“ von Drogbur Bulduar – Hoher Magistrat des Magierordens – Drittes Zeitalter

Vorweg möchte ich sagen, dass der folgende Teil nicht vorbehaltlos verfasst wurde. Ich hatte viele Jahre lang die Möglichkeit mit den kleinen, bärtigen Artgenossen zusammenzuleben und von daher distanziere ich mich von jedem Anspruch auf eine neutrale Beschreibung. Dennoch halte ich die Ausführungen für berechtigt.

Bei den Zwergen handelt es sich um ein Volk, welches nahezu genauso alt ist wie die Elfen. Mag man ihren Überlieferungen und Schriften Glauben schenken, so könnten sie sogar älter sein. Doch aufgrund ihrer Verbundenheit zu den Gebirgen, und des Aufenthalts in diesen, könnten sie erst später bewusst wahrgenommen worden sein. Und wie will man als erstes Volk von anderen Völkern wahrgenommen werden? Ein müßiger Gedankengang, der wohl nur von den Drachen oder Titanen beantwortet werden könnte. Doch die Bibliotheken der Drachen, oder geschweige denn der Titanen, sofern sie so etwas überhaupt besitzen, wurden bisher von noch keiner sterblichen Seele gesehen. Die Zwerge sind eine stolze Rasse, die sich durch ihre Dickköpfigkeit und ihr kriegerisches Geschick einen Namen gemacht hat. Nicht selten lässt sich ein Gegenüber von der Größe eines Zwerges täuschen. Für einen Gegner auf dem Schlachtfeld endet dies in der Regel tödlich. Doch nicht nur die Kriegskunst steht ihnen zur Verfügung, sondern einigen auch die Fähigkeiten der Paladine und vereinzelt auch des Schamanismus. Zwar stehen die Zwerge der Zauberkunst mehr als skeptisch gegenüber, doch gilt für sie das Schamanentum nicht als reine Magie, sondern als ein Selbstverständnis mit den Elementen. Im Kampf kann ein Zwerg auf seine uralte Macht der Wut und Raserei zurückgreifen. Dieser Rausch, in den die kleinen, aber stabilen Kämpfer verfallen, gibt ihnen Stärke und Geschwindigkeit die ihresgleichen sucht. Überlieferungen, nach denen es kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Elfen und Zwergen gab, berichten von schmerzvollen Niederlagen der Elfen. Da ich die Zwerge kennengelernt habe, ahne ich, dass diese Konflikte aufgrund der fehlenden diplomatischen Finesse der Zwerge und des zuweilen zu schnell verletzten Stolzes der Elfen heraufbeschworen wurden. Im Gegensatz zu den anderen Völkern, dessen Zahl im Laufe der Zeitalter diverse Wandlungen von der Zahl durchgemacht hat, ist das Zwergenvolk bis auf einen Einschnitt relativ konstant geblieben. Zwar haben sie auch immer wieder Nachkommen, doch weitaus seltener und in größeren Abständen als die Menschen. Sie scheinen keinen Wunsch zu verspüren sich weiter auszubreiten oder mehr der bekannten Welt zu beanspruchen. Wobei man hier nicht außer Acht lassen darf, dass sie stets weiter in die Berge hineingraben, da sie dort ihren Ursprung vermuten. So mancher Zwerg spricht sogar davon, wie die Elfen von ihrer Existenz auf einer höheren Ebene, dort das Land des ewigen Friedens zu finden. Ich selbst war überrascht diese Überlieferung zu entziffern, da dieses Volk eine so stark ausgeprägte kriegerische Ader hat.

Die Zwerge des eisernen Schilds, welche in Gerfatje beheimatet sind, verstehen sich als die Wächter des nördlichen Teils der Grenze zu Zhurgurad. Ihre Stärke liegt in der Verteidigung, die, sowie sie vollständig im Kampf aufgebaut ist, als nahezu undurchdringlich gilt. Doch auch als einzelne Kämpfer darf man diese Krieger nicht unterschätzen. Wie so ziemlich alle Zwergenvölker haben auch die Zwerge aus Gerfatje ein ausgeprägtes handwerkliches Geschick.

Die Zwerge des schwarzen Hammers gelten als die geschicktesten Krieger. Zwar würde dies kein Zwerg der anderen Stämme je zugeben, jedoch scheinen sie eine gewisse Bewunderung für diese zu empfinden. Eher ungewöhnlich bei ihnen ist, dass alle Krieger die gleiche Waffe tragen. Einen schwarzen Hammer. Während die anderen Zwergenstämme den Kriegern die freie Wahl ihrer Waffe überlassen, erlernen alle Zwerge des schwarzen Hammers das Kämpfen mit diesem Werkzeug. Dies liegt wohl daran, dass diese Waffe aus einem äußerst seltenen und sehr wertvollen Obsidian hergestellt wird. Zwar können auch sie in Formationen eine gewaltige Streitmacht darstellen, doch bevorzugen diese das offene Scharmützel und das durchpflügen gegnersicher Reihen.

Die Zwerge des feurigen Berges sind als Krieger definitiv nicht zu verachten, jedoch liegt ihr vorrangiges Geschick in der Herstellung von Werkzeugen und Waffen. So sind sie bekannt, auch wegen ihrer Lage da der Ausläufer des Berges weit ins Landesinnere reicht, für ausgeprägten Handel und hervorragende Handwerker. Ihre Schmiedekunst ist nahezu legendär. Auch wenn die Elfen noch immer die höchste Schmiedekunst für sich beanspruchen, so stehen die Arbeiten der Zwerge denen der Elfen in nichts nach und sind zudem öfter rein auf den Zweck zugeschnitten, anstatt noch diverse Verzierungen zu haben. So habe ich schon öfter angeregte Diskussionen verfolgen dürfen, in denen darüber gestritten wurde ob nun das zwergische Schwert das bessere sei, da es praktisch sei und den Zweck ideal erfülle, oder das elfische Schwert, da es zwar auch den Zweck erfülle, aber noch viel filigraner und kunstvoller gestaltet wurde. Selbstverständlich war der direkte Vergleich mit den Vertretern beider Völker bisher reine Zeitverschwendung, da keiner Gehör für den anderen fand. Doch wie ich bereits anfangs erwähnte, sollte man sich nicht davon täuschen lassen und glauben diese Zwerge könnten nur schmieden und handeln. Denn, so wie ich das einschätze, wird jeder Zwerg mit den natürlichen Instinkten eines Kriegers geboren.

Die Zwerge des eisigen Windes, beheimatet weit im Nordosten in Koldor, halten sich persönlich für die letzten „wirklichen“ Zwerge. Dies haben sie mir des Öfteren damit erklärt, dass sie am weitesten von den anderen Völkern in Alandria entfernt seien, am weitesten in den Bergen zurückgezogen leben und somit die raueste Umwelt hätten. Zugegebenermaßen wirken sie auf den ersten Blick deutlich robuster und abgehärteter als die Zwerge der anderen Reiche. Man könnte allerdings auch behaupten, dass sie einfach blasser sind, da sie weit weniger Sonne abbekommen wie ihre Artgenossen sowieso schon und die Umgebung aus Felsen, Schnee und Eis ihr Übriges dazu beiträgt. Über deren Kampfkraft lässt sich nur wenig sagen. Da sie so weit zurückgezogen leben sind sie auch bisher an fast keinen Konflikten beteiligt gewesen. Da ich das Glück hatte dieses Reich mit eigenen Augen zu sehen, kam ich nicht umhin zu erkennen, dass jeder dieser kleinen, bärtigen Genossen stets eine Waffe bei sich trägt. Ob sie dies aber nun taten, um mich zu beeindrucken oder damit ich nun genau dies hier niederschreibe vermag ich nicht zu sagen.